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Jakob Fischer ist in Oberschwaben und weit darüber hinaus ein fester Begriff. 
Wer Jakob Fischer war und was er und die nach ihm benannte Apfelsorte mit der Gemeinde Steinhausen an der Rottum und mit der Ortschaft Rottum zu tun haben, das erfahren Sie in den nachfolgenden Informationsblöcken. 
Viel Spaß dabei!

Beschreibung des Apfels

Die Apfelsorte „Jakob Fischer“ ist weit über Oberschwaben hinaus bekannt und geschätzt. Die Blüte erfolgt sehr früh, stark duftend und lange anhaltend, ist jedoch als Pollenspender nicht geeignet, da sie die Besonderheit aufweist, dass ihre Zellen drei komplette haploide Chromosomensätze besitzen, was dazu führt, dass die Pflanze selbst keine Samen bilden kann. Die äußerlich sehr ansprechende Frucht ist groß bis sehr groß, flachkugelig und unregelmäßig geformt. Die Grundfarbe der Schale ist hellgelb, die Deckfarbe ein kräftiges Rot mit blauvioletter Bereifung. Das Fruchtfleisch ist grünlich weiß und wird schnell braun. Sie ist sowohl als Tafelobst als auch als Haushaltsapfel zum Einmachen, Backen, Entsaften und für Kompott geeignet. Die Früchte sind Anfang bis Mitte September pflückreif und neigen zu Fruchtfall. Sie sind sofort genussreif und sollten schnell verbraucht werden, da sie nur etwa vier Wochen haltbar sind. Für den modernen Erwerbsbau ist diese Apfelsorte aufgrund dieser Eigenschaften eher ungeeignet. Als Stammbildner hat die Apfelsorte aber eine gewisse Bedeutung, da sie sich durch Robustheit, geraden Wuchs und Frosthärte auszeichnet. Zudem trägt der Apfelbaum auch bei fehlgeschlagener Kronenveredlung alleine aus der Unterlage noch verwertbare Tafeläpfel.

Der Urbaum

Im Jahre 1903 entdeckte Jakob Fischer im Alter von ca. 40 Jahren am nahe gelegenen Waldrand, vermutlich am Rottumer Eyris, in unmittelbarer Nähe seines Anwesens in Rottum in Oberschwaben ein kleines Apfelbäumchen, das er in seinen Garten verpflanzte, vermutlich weil er es veredeln wollte. Doch zur Veredlung kam er aus nicht bekannten Gründen nicht, und so fruchtete 1912 dieser Baum erstmals. Ein Orkan hat im Jahre 1920 den Baum entwurzelt. Doch Jakob Fischer pflanzte und stabilisierte ihn wieder, so dass er weiterhin fruchten konnte. Im Herbst des Jahres 1975 wollte der damalige Eigentümer des Urbaums Peter Klug den Baum fällen. Der Baum war ihm zu hoch, und er brauchte zudem Brennholz. Er tätigte bereits den ersten Schnitt in den Stamm, bevor er von seinem Nachbarn, dem Baumwart Franz Weckerle, gestoppt wurde. Dieser bot seinem Nachbarn 200 Deutsche Mark zum Brennholzkauf an, damit der Jakob-Fischer-Urbaum stehen bleiben könne, was somit auch geschah. Am 2. Dezember 1993 nahm der Landkreis Biberach den Jakob-Fischer-Urbaum in die Liste der eingetragenen Naturdenkmäler auf. 2020 musste leider festgestellt werden, dass der Urbaum nach 117 Jahren abgestorben ist. Nachdem das Landratsamt Biberach am 15. Februar 2021 den Status des Naturdenkmals aufgehoben hat, wurde der Rest des Urbaums am 20. Februar 2021 vom damaligen Eigentümer Ralph Gräter gefällt.  Dabei wurde im Inneren des Baumstumpfs auch der Schnitt aus dem Jahr 1975 wiederentdeckt. Aus dem verbliebenen Baumstumpf wuchs ein neuer Trieb. Da Apfelbäume selbststeril sind, also sich nicht selbst befruchten können, enthält jeder Apfelkern neben der Mutterpflanze auch zur Hälfte die genetischen Grundlagen der bestäubenden Apfelsorte. Daher war dem Zufall überlassen, was sich hier gebildet hatte und konnte auch noch nicht erforscht werden. Am 11. Juli 2023 ging auch über den östlichen Landkreis Biberach das sehr starke Unwetter „Ronson“ nieder. Viele Bäume fielen dem Sturm zum Opfer, so auch der junge Trieb am Jakob-Fischer-Urbaum.

Der Klon

Im Jahr 2014 zeigte sich, dass der pyramidenförmige hochstämmige Baum mit einem Stammumfang von zuletzt rund 1,75 Meter und einer Höhe von ca. 13 Metern seit längerem kränkelt. Der Kreisfachberater für Garten- und Obstbau am Landratsamt Biberach Alexander Ego wandte sich daher an Prof. Dr. Viola Hanke vom Julius-Kühn-Institut in Pillnitz bei Dresden, ein Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, um das Erbgut des Baumes zu retten.

Tatsächlich gelang es, den Baum zu klonen, indem Zellen von Blattknospen im Labor zunächst so schnell wie möglich nach Dresden gebracht und dort auf eine Nährlösung gesetzt wurden, in der sie dank gleichmäßiger Temperaturen und viel Licht zum Wachsen angeregt wurden. Nach einem Zeitraum von mehreren Jahren und mit viel Bangen um die kostbaren Zellen war es schließlich so weit: 2016 entwickelten sich kleine Triebe, die sich zu Sprossen entwickelten, welche vereinzelt, bewurzelt und schließlich in Erde eingepflanzt werden konnten. Nachdem sich der Klon an das raue Klima und den schweren Boden im Landkreis Biberach gewöhnt hatte, konnte ein Exemplar im direkten Umfeld des Urbaums gepflanzt werden und ein weiteres im Oberschwäbischen Museumsdorf des Landkreises Biberach in Kürnbach.

Zur Person

Jakob Fischer wurde am 13. Oktober 1863 in Mittelbuch geboren. Am 31. Mai 1887 heiratete er in Öpfingen Anna Barbara Mayer, die ihm in Mittelbuch bis 1890 vier Kinder auf die Welt brachte, von denen zwei allerdings bereits früh verstorben sind.
Die Familie Fischer hat um das Jahr 1892 in der Einöde in Rottum die 1852 gebauten und 1871 erweiterten Gebäude der kleinen Landwirtschaft Hermann in der Paradiesstraße 18 gekauft. Mehr Gärtner als Bauer und nebenbei Samenverkäufer und   Schuhmacher mochte man den neuen Nachbarn in seiner Umgebung gern. Aus dieser Ehe sind in Rottum nochmals neun weitere Kinder auf die Welt gekommen, von denen drei ebenfalls früh verstorben sind. Eines der Überlebenden starb beim Luftangriff auf Freiburg im Breisgau am 27. November 1944. Als ein geselliger Mensch trug Jakob Fischer 1898 zu einer Mitgestaltung der Christbaumfeier des damals gerade gegründeten Kriegervereins in Rottum bei. In seinem Heimatort Mittelbuch wird der leidenschaftliche Musikant im gleichen Jahr in den Annalen des Musikvereins Mittelbuch als Mitbegründer verzeichnet, und zwar als Rottumer. Zudem galt er als einer der eifrigsten Wanderer im Biberacher Albverein. Nach dem Verkauf seines Anwesens inkl. des Urbaums an Albert Rathgeber verließ Jakob Fischer am 30. März 1929 Rottum und ließ sich in Mettenberg bei Biberach an der Riß nieder, wo er im Jahr 1943 verstarb und auf dem evangelischen Friedhof in Biberach bestattet wurde. Das Wohnhaus von Jakob Fischer wurde im Jahr 2014 abgerissen. Eine Laune der Natur hat dem an Körpergröße kleinen Jakob Fischer einen großen Namen verschafft.

Die Apfelsorte

Im Jahr 1914 wurden einige dieser Äpfel in Stuttgart Experten des Württembergischen Gärtnereiverbandes vorgelegt, dadurch als eigenständige Apfelsorte anerkannt und erhielten so nach seinem Entdecker den Namen „Jakob Fischer“.
Bald darauf wurde diese Sorte in allen Baumschulen des Landes angebaut und vermehrt. Zwischen 1920 und 1930 kam diese Apfelsorte in größeren Mengen in den Handel, wodurch sich der Apfel sich zu einer vielseitigen Standardsorte im Königreich Württemberg entwickelte. Seit 1950 verkehrt auch die Bezeichnung „Schöner vom Oberland“ für diese Apfelsorte, ihr richtiger Name bleibt jedoch nach wie vor „Jakob Fischer“. Im Jahre 1998 wurde die Sorte in Baden-Württemberg zur Streuobstsorte des Jahres gewählt, um in Anbetracht ihrer günstigen Eigenschaften ihre Verwendung für den extensiven Anbau zu fördern. Jakob-Fischer-Bäume sind heute in der Regel bei allen größeren Baumschulen in der Region erhältlich. Auch in unserer französischen Partnergemeinde Chaponnay in der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes wachsen einige Jakob-Fischer-Bäume.

Die Kunstwerke

Die Reste des Baums erwarb der Künstler Bernhard Schmid aus Rettenbach im Landkreis Günzburg. Aus den verbliebenden Stammteilen fertigte er ca. 25 Kunstwerke an, so dass der Urbaum für die Nachwelt erhalten bleibt. Am 12. September 2021 war es so weit: im Rahmen einer Vernissage im Rathaus in Steinhausen an der Rottum wurden die entstandenen Skulpturen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Mit freundlicher Unterstützung der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) konnte die Gemeinde Steinhausen an der Rottum eines der Stammteile, nämlich „Reichhaltiges Leben“ erwerben und im Rathaus dauerhaft der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Ebenfalls konnte die Ortschaft Rottum mit großer Unterstützung der Rottumer Vereine, des Musikvereins Rottum, des SV Rottum, der Soldatenkameradschaft Rottum und der Jagdgenossenschaft Rottum ein Exponat, nämlich „Trotz Einschnitte“, in welchem der für den Urbaum und die Ortschaft Rottum charakteristische Schnitt aus dem Jahr 1975 zu erkennen ist, erwerben und im Raum der Ortschaftsverwaltung in der Gemeindehalle in Rottum ausstellen. 
 

Nachwirkung

Der Jakob-Fischer-Apfel wird aufgrund seiner geringen wirtschaftlichen Nutzbarkeit vor allem auf Streuobstwiesen angebaut. Der enorme Flächenbedarf durch Neubausiedlungen und Gewerbegebiete sowie die Intensivierung der Landwirtschaft und die Flächennutzung für Biogaserzeugung führen zu einem langsamen Verschwinden dieser traditionellen, artenreichen Streuobstwiesen. Heute wird die Zahl der Bäume in den Landschaften um die Städte Biberach, Memmingen, Ravensburg und Ulm auf weniger als 500 geschätzt. Der Jakob-Fischer-Apfel ist daher auch rückläufig und wurde deshalb 2012 in die Liste der Arche-Passagiere von Slow Food Deutschland aufgenommen. Im gleichen Jahr wurde zu Ehren Jakob Fischers der Platz vor der Gemeindehalle Rottum als „Jakob-Fischer-Platz“ benannt und eine Informationstafel zum Leben und Wirken Jakob Fischers und der gleichnamigen Apfelsorte aufgestellt. Seit dieser Zeit veranstaltet der SV Rottum auf diesem Platz zweijährlich das Jakob-Fischer-Fest mit allen denkbaren Varianten an Köstlichkeiten rund um den Jakob-Fischer-Apfel wie Apfelmus, Apfelgelee, Apfelbrot, Apfelsaft und Apfelschnaps. Schlussendlich ist „Jakob Fischer“ die berühmteste Apfelsorte des Landkreises Biberach und gilt somit als Kreis-Apfelsorte, da er zudem nicht Ergebnis einer Züchtung, sondern unverfälschtes Geschenk der Natur ist. So war es nicht verwunderlich, dass im Rahmen des 50jährigen Kreisjubiläums bzw. der Heimattage 2023 bei der Ausstellung „Biberach in 52 Objekten“, an denen das ganze Jahr über wöchentlich ein Objekt im Eingangsfoyer des Biberacher Rathauses ausgestellt war, das eine Verbindung zu Biberach hat, vom 18. bis zum 24. September auch ein Jakob-Fischer-Apfel ausgestellt war.

Weitere Informationen

Hier (PDF-Dokument, 3,96 MB, 03.02.2023) gelangen Sie zum Text der Info-Tafel am Jakob-Fischer-Platz in Rottum